Die Auslöser: zwei Blogbeiträge mit völlig unterschiedlichen Themen - ein Garten in der Nachkriegszeit und kreatives Gestalten von Stadtplänen haben ja erstmal gar nix miteinander zu tun. Aber bei mir wurden dadurch genau die richtigen Knöppe gedrückt und eine Idee ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Die Gartengeschichte und der Kreativinput mischten sich mit eigenen Erinnerungen an früher und ließen lebendige Bilder in meinem Kopf entstehen, zu denen ich in Gedanken fast die Geräusche hören konnte. Und irgendwann (ähm, gestern ...) hab ich dann einfach mal drauflosgekritzelt.
Macht´s euch gemütlich - ich nehme euch mit auf eine kleine Zeitreise und zeige euch die Radwege meiner Kindheit ...
Ich bin in Ankum aufgewachsen.
Das Dorf liegt nördlich von Osnabrück
und obwohl es damals noch recht überschaubar war,
gab es schon in meiner Kindheit zwei "Ortsteile":
Unterdorf und Oberdorf.
Meine Heimat ist das Unterdorf.
Seht ihr das Haus mit dem Herzchen drauf?
Das war mein Zuhause.
Dort, wo die Beeke entlangfließt,
wo schräg über die Straße der Schneider am Fenster sitzt und näht,
wo´s nur ein paar Schritte zum Tante-Emma-Laden mit den leckeren Bonbons sind,
wo der Doktor an der Ecke unsere Wehwehchen versorgt
und gegenüber der Friseurspiegel neben der Eingangstür hängt -
dort bin ich mit den Nachbarskindern um die Wette geradelt.
Das Unterdorf war unser "Revier",
unser Mikrokosmos, in dem es alles gab, was wir als Kinder brauchten.
Hinter der Blumenwiese, neben der riesige Kastanienbäume stehen,
versteckt hinter Mirabellenbaum und Hühnerhof,
steht eine kleine Hütte - unser "Häuschen".
Dort kochen wir Sägespansuppe mit Erlenknubbeln aus dem Wäldchen
und Wasser aus der Beeke -
nichts ist köstlicher als unser Mahl. Ehrlich.
Die Beeke ist alles für uns:
Papierschiffchen schwimmen lassen,
gummibestiefelt bis zur Fahrradwerkstatt an der nächsten Brücke stapfen,
an schmalen Stellen rüberspringen zur Gänsewiese,
leise die Forellen beobachten oder uns laut krakelend gegenseitig nassspritzen ...
Langweilig?- Gibt´s nicht.
Hört ihr die Glocke?
Der Milchmann kommt mit seinem Pferdewagen über´s Pflaster geholpert.
Seht ihr den Pflaumenbaum, dessen Zweige so verlockend über die Hecke hängen?
Wenn wir schnell genug sind, können wir ein paar pflücken,
bevor der Mann mit dem Handstock kommt.
Das Oberdorf.
Eine andere Welt, aber nicht weniger spannend.
Alte Mauern, Heckenwege und Geheimgänge
und mittendrin das weltleckerste Eis und eine Pommesbude -
was will Kind mehr?
Und guckt mal an der Schule:
da gibt´s den Vogelberg - im Winter der Treffpunkt zum Schlittenfahren.
Genauso schön, wie unter den Bögen der Kirchburg wieder ins Unterdorf zu radeln ...
oder neben der Schule in Seifenkisten den Abhang hinunter zu sausen.
An der Molkerei vorbei, dann durch die Heckenwege,
links den Fußweg hinunter und dann rechts ab -
dort geht´s zu den Erdbeerfeldern ...
Hach, ich könnte jetzt noch tausend Geschichten erzählen.
Von früher.
Von Radtouren am 1. Mai.
Von Karussells auf dem Feuerwehrplatz
und Kirmesmarkt im ganzen Dorf.
Von Zauberbäumchen auf dem Weg zum Kindergarten
und einem Sturz in die Beeke - mit Fahrrad!
Von kleinen und großen Erlebnissen in meinem Dorf.
Später.
Zuerst mache ich mich auf den Weg:
mit meinen Kindern werde ich meine alten Radwege entlangradeln,
ihnen zeigen und erzählen, wie das so war.
Früher.
Morgen geht´s los.
Und meine Kritzel-Karte nehme ich natürlich mit.
Außerdem - im Korbüberzug aus Regenjacke und Buchfolie - auch noch diese hier:
Mal gucken, ob ich mich von unterwegs mal melde ...
Bis bald!
diefahrradfrau
Geteilt mit Scharly´s Kopfkino und RUMS.






