Warum es nicht immer rund laufen muss

Mittwoch, 24. Februar 2016

Pleiten, Pech und Fahrradpannen braucht eigentlich kein Mensch. Eigentlich. Aber oft sind es gerade die unliebsamen Zwischenfälle, die eine Fahrradtour unvergesslich machen - im positiven Sinne ...
"Weißt du noch, wie wir uns da abgestrampelt haben?" - "Und wie klatschnass wir da geworden sind?" - "Und als wir ankamen, waren wir sowas von k.o. ..." - Aber schön war´s! Da sind sich meine Kinder einig, wenn sie sich an solche Fahrraderlebnisse erinnern. Weil die kleinen und mittleren Katastrophen sie nicht aus der Bahn geworfen haben. Weil es drumherum natürlich auch viel Schönes gab. Und: weil sie´s geschafft haben!



Ein paar Beispiele:
Unsere erste Radwanderung. Am dritten Tag hatten wir nicht nur die längste Etappe zu bewältigen und gegen heftigen Wind anzukämpfen. Die letzten Kilometer ging es in strömendem Regen bergauf und besonders mein Jüngster (damals noch auf einem 16-Zoll-Fahrrad unterwegs!) war mehr als einmal kurz vorm Aufgeben. Aber als wir völlig erschöpft und durchnässt unser Ziel erreichten, da war er der Größte!



Bei unserer zweiten Radwanderung konnte uns nach ein paar sonnigen Tagen der Regen die Laune nicht verderben. Wir waren zuversichtlich, dass wir es auch mit dem immer heftiger pustenden Wind aufnehmen könnten. Aber einen waschechten Sturm? Den braucht nun wirklich niemand! Abbruch der Tour, Plan B: gemütliche Heimfahrt mit Fahrradbus und Zug. Und trotzdem war´s schön!



Eine ganze Serie von kleinen und mittleren Katastrophen ereilte uns (ausgerechnet!) auf der schönsten Tour des letzten Sommers: war der wunderbare Tag am See Lohn genug für die Anstrengungen der Hinfahrt gewesen (bei fast tropischen Temperaturen eine Strecke mit echt fiesen Steigungen), so wurde es auf dem Rückweg richtig gemein! Zuerst sprang beim Rad meines Sohnes die Kette ab. Macht eigentlich nix, sowas kriegt er schon selbst wieder hin. Blöd nur, wenn´s schnell gehen soll und sich dann irgendwas verkantet! Jedenfalls ging gar nichts mehr, ich durfte losstapfen und im nahelegenen Cafe Werkzeug ausleihen, alles auseinaderschrauben, richten und wieder zusammenbasteln. Passte. Trotzdem ging´s nicht weiter, weil zu allem Überfluss auch noch der Hinterreifen platt war ... Gut, dass ich ne Luftpumpe dabei hatte! Doof, dass die Pumpe irgendeine Macke hatte und nur Minimengen an Luft in den Reifen beförderte! Mööp!
Weil´s langsam dunkel wurde und weit und breit keine Luftpumpe in Sicht war (wir haben mehrere vorbeikommende Radfahrer gefragt, keiner hatte eine Pumpe dabei!), machten wir uns auf den Heimweg und hielten immer wieder an, um wenigstens ein bisschen Luft in den Reifen zu pusten. Nervig sowas!
Aber damit immer noch nicht genug. Mein Jüngster erwischte auf abschüssiger Strecke eine Bordsteinkante so schräg, dass er meterweit rutschte und (zum Glück ohne eine einzige Schramme!) auf dem Asphalt landete. Sein Fahrrad sah allerdings merkwürdig verformt aus ...
Okay, das kriegen wir auch noch hin! Schutzbleche, Lenker und Verkabelung wieder in Postion gebracht, Schock überwunden und weitergeradelt ... Als wir zuhause ankamen, war es längst dunkel. Aber diese Tour gehört zu den Highlights unserer Fahrraderlebnisse - obwohl (oder gerade weil?) längst nicht alles rund lief ...



Bis bald!
diefahrradfrau

Kommentare:

  1. Wer Hindernisse überwindet, kommt weiter! Deine Kinder lernen auf schöne Weise, dass es nicht immer rund laufen muss, und trotzdem schön werden kann.
    Herzlichst
    yase

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  2. oh jee.. ;)
    ja.. ich habe damals mit meinen Eltern viele Radtouren unternommen.. große Pannen gab es zwar nie.. aber ich erinnere mich an einen heißen Sommtag als wir erst über den Odenwald(Rauf meist geschoben) dann runter und am Nekar entlang sind.. mir war es auf einmal so übel und ich konnte nicht weiter....hatte mir wohl einen Sonnenstich eingefangen.. zufällig waren wir gerade an einem Schwimmbad vorbei gekommen so dass wir dort erst mal Rast machten .. uns erfrischten .. und dann statt in Heidelberg im nächsten Ort in einem Naturfreundehaus Quartier nahmen..oder wie wir unser Campinggeschirr dass in einem Köfferchen war.. in der Jugendherberge in Neustatt stehen ließen.. vielleicht steht es ja immer noch dort ;)
    die aussergewöhlichen Dinge sind das Salz in der Suppe und das an was man sich erinnert
    weiter viel Spaß auf 2 Rädern..
    liebe Grüße

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  3. Was, keiner der Radfahrer hatte eine Pumpe dabei? Das ist ja seltsam. Eigentlich gehört das doch zur Grundausstattung eines jeden Radlers. Aber irgendwie habt ihr es ja doch noch geschafft. Und das ist es, was zählt. Durchhalten und nicht aufgeben.

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  4. eine sehr sportliche familie! lg

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  5. ja, von solchen ereignissen kann ich auch lieder singen! aber toll, dass es immer gut ausgegangen ist und besonders die kinder dadurch immer ein stückchen stärker geworden sind!
    lg, mano

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  6. Ja, genau - irgendwo müssen ja auch die Lagerfeuergeschichten herkommen. Wir haben diese Erfahrungen besonders oft beim Wandern gemacht, als beispielweise am Ende eines endlos langen Tages voller unverhoffter Schneefelder ein breiter, eiskalter Bach durchwatet werden musste und man dann am Biwakplatz von Mücken aufgefressen wurde ... aber der Stolz, wenn man wieder daheim, so richtig bewundert wird. Mittlerweile weiß das Töchterchen, dass Schuhe wieder trocken und Füße wieder warm werden, kann Natur richtig genießen und hat auch eine Menge übers Miteinander gelernt. Als die mitwandernden Kinder im letzten Sommer nach 17km durchs Gebirge, 1600m rauf und 800 wieder runter statt zu maulen erst mal Wasser holen gingen und Essen kochten, waren wir durchaus ein klitzekleines bisschen stolz.
    Ich mag deine Radelgeschichten. Mindestens einmal jährlich schreibe ich auch über unsere Kinderradeltour (unter Heimweh-Fernweh) - und die Geschichte mit hastig aufpumpen und dann so schnell wie möglich ein Stück fahren, kommt mir irgendwie sehr bekannt vor.
    LG Malou

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  7. Dank dir für deinen Kommentar - mit dem Suchwort Radtour, müsstest du fast alle derartigen Beiträge finden. Kleine Ausflüge vielleicht nicht - die laufen bei uns nicht unter "Tour". Ich hänge den Suchlink mal an.
    https://marabunte.wordpress.com/?s=Radtour
    Herzliche Grüße,
    Malou

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  8. Ach, das klingt echt nach herrlichen Radelerlebnissen :-) Ich find es super, dass du deinen Kindern solch schöne und unvergessliche Momente ermöglichst. Gerade wenn es mal nicht rund läuft, das ist doch eigentlich sehr sinnbildlich fürs "wahre" Leben. Es muss nicht immer alles tiptopsupadupa laufen, damit es perfekt ist. Gerade die kleinen Macken machen etwas perfekt :-)

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  9. Solche Erlebnisse vergisst man nicht. Schönwetterrundumsorglosradeln kann ja jeder ;-). (Mach ich aber trotzdem gern...) Ich wünsche euch auch für dieses Jahr unvergessliche Touren, aber ohne Torturen! Lieben Gruß Ghislana

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