... maximal erfahren - im doppelten Wortsinn.
Am Anfang stand ja einfach nur die Idee, mit meinen Kindern eine Radwanderung zu machen. Und diese Idee fühlte sich so gut an, dass ich mir um die Organisation erstmal gar keinen Kopp machte, sondern mir schon in den schönsten Farben ausmalte, wie toll sie werden würde, unsere Radwanderung - Vorfreude eben.
"Habt ihr sowas schon öfter gemacht?", wurde ich irgendwann gefragt. - "Ähm, nein ...", lautete meine Antwort. Und ich begann zu grübeln, ob "sowas" für uns überhaupt machbar ist. Immerhin ist eine mehrtägige Radwanderung durch menschenleere Gegenden doch ganz was anderes als unsere gewohnten Touren durchs Viertel, bei denen wir meistens ganz spontan und ohne "Routenplan" oder sonstige Vorbereitungen, höchstens mit ein bisschen Proviant und Wasser für zwischendurch, einfach losradeln und gucken, was sich ergibt.
Aber weil genau dieses spontane Erleben und die Freiheit, an jeder Wegbiegung zu entscheiden, wo´s langgehen soll, und anzuhalten, wann und wo es uns gefällt, unsere kleinen Touren so wertvoll machen, schien es mir sinnvoll, auch die Planung für unsere Radwanderung auf ein Minimum zu begrenzen. Im Rückblick stelle ich fest, dass wir so - einfach aus dem Bauch heraus - genau den für uns richtigen Weg gefunden haben.
Zu meinen Berichten über diese Tour erreichten mich sehr viele Kommentare und Mails und immer wieder tauchte die Frage auf: "Wie organisiert man so eine Radreise mit Kindern?" - Nun, eine allgemeingültige Antwort kann ich wohl nicht geben, aber gern teile ich euch hier mit, wie ich das alles auf die Reihe bekommen und was ich mir dabei gedacht habe.

Die Strecke
Wo wir herumradeln würden, war als allererstes klar. Mehr noch: die Strecke brachte mich überhaupt erst auf die Idee zu unserer Tour. Seit ich in der Zeitung einen Artikel über die Mundräuberbänke gelesen hatte, die im Hasetal zum Klettern und Naschen an einigen der zahlreichen Obstbäume einladen, stand für mich fest: das will ich mir ansehen! Der Hase-Ems-Radweg führt zwischen Wiesen und Feldern über weite Strecken direkt an der Hase entlang, auf gut ausgebauten Radwegen und kaum befahrenen Nebenstraßen kann man die Kinder beruhigt auch mal ein Stückchen vorfahren lassen - schließlich warten hinter jeder Wegbiegung neue Entdeckungen.
Die Strecke verläuft ohne nennenswerte Steigungen durch teilweise unberührte Natur und kleine Ortschaften, bietet jede Menge Abwechslung und wenn man im Spätsommer oder Herbst dort unterwegs ist, braucht man sich über Proviant keine Gedanken zu machen - perfekt also für Radtouren mit Kindern.
Und weil mein Heimatdorf dort ganz in der Nähe liegt, bot es sich einfach an, dort ein bisschen auf den Wegen meiner Kindheit herumzuradeln. Welche Vorteile es hat, wenn man sich in der Gegend auskennt, muss ich wohl nicht extra erwähnen.
Die Anfahrt
Der Hase-Ems-Radweg verläuft auch durch Osnabrück und wir hätten einfach zuhause auf unsere Räder steigen und Richtung Hasetal losfahren können. Weil ich jedoch nicht sicher war, wie alles laufen würde und wie insbesondere der jüngste Mitradler, der erst seit ein paar Monaten ohne Stützräder fuhr, die Tour verkraften würde, wollten wir in umgekehrter Richtung fahren und direkt im Hasetal in Essen (Oldenburg) starten. Vor der Anreise mit dem Zug - entspannt und umweltfreundlich, was sonst? - hatte ich aber richtig Bammel: Wie um Himmels Willen sollte ich ganz allein drei Kinder und vier Fahrräder ins Zugabteil bugsieren? Die Antwort fand sich so selbstverständlich, dass ich gar nicht mehr begreife, warum ich mir darüber so den Kopf zerbrochen habe: überall waren sofort helfende Hände zur Stelle, um Kinder und Fahrräder in den Zug und wieder heraus zu bringen. Und selbst meine plötzliche Panik, als eine Haltestelle vor unserem Ziel sechs weitere Radfahrer mit vollgepackten Drahteseln ins Zugabteil kamen und die Ausgänge unerreichbar machten, löste sich in Wohlgefallen auf: in aller Seelenruhe stieg die Gruppe mitsamt ihren Rädern in Essen aus, half mir bei unseren Fahrrädern und stieg dann wieder ein. Radfahrer sind gemütliche Leute. Und hilfsbereit.

Die Ausrüstung
Was nimmt man mit auf so eine Tour? An was muss man denken, auf welche Zwischenfälle vorbereitet sein? - Wieder ein paar Fragen, zu denen man sich wer weiß was überlegen könnte. Aber auch hier sind die Antworten im Grunde ganz simpel, denn man braucht nicht viel und es gibt nur wenige Dinge, die den Verlauf einer solchen Tour stören könnten und auf die man sich einstellen sollte:
Reifenpannen (also Flickzeug mitnehmen!) und Schietwetter, dem man am besten mit ordentlichen Regenjacken begegnet. Ansonsten ist es eine wunderbare Erfahrung, ganz einfach unterwegs zu sein - und genau das war meine Idee.
Ganz einfach:
kein Navi oder anderer HighTech-Schnickschnack, sondern die gute alte Karte, die ich in meinem selbstgemachten Korbüberzug immer vor Augen hatte.
keine speziellen Trekking- oder Tourenräder, sondern mein altes, rostiges Hollandrad und drei ganz normale Kinderfahrräder.
keine besonderen Radklamotten, sondern der bewährte Zwiebellook - beliebig anpassungsfähig, je nach Wetterlage.
Unsere einzige Anschaffung: Packtaschen. Hinein kam nur das Notwendigste: Wechselklamotten, Waschzeugs, ein bisschen Proviant und ein paar Dinge, an die ich vielleicht nicht gedacht hätte ... - Gut, dass Frauke und Katharina, die schon einige Radwanderungen hinter sich haben, mir richtig gute Tipps gegeben haben. Wäscheklammern, Spanngurte und Taschenmesser brauchen kaum Platz, können aber sehr nützlich sein.

Die Etappen
Gemütlich und entspannt sollte unsere Tour werden, viel Zeit lassen zum Entdecken und Erleben, zum Schafefüttern und Streicheln oder Mal-eben-eine-Rübe-aus-dem-Acker-Ziehen. Da war es ganz selbstverständlich, relativ kurze Etappen festzulegen - auch mit Rücksicht auf den Jüngsten, der ja auf seinem 16-Zoll-Fahrrad schon etwas öfter treten muss um voranzukommen.
Nun sind rund 20 Kilometer pro Tag wirklich nicht viel - die kann man ja in zwei bis drei Stunden locker schaffen. Aber für uns waren es die idealen Entfernungen: wir konnten ohne Zeitdruck losradeln, pausieren, entdecken, genießen, weiterradeln, wieder pausieren, Umwege fahren, Steinchen sammeln, nochmal pausieren - immer genau das tun, wozu wir grad Lust hatten. Einfach wunderbar. Und wunderbar einfach.

Das Ziel
Obwohl die Route ungefähr festgelegt war, gab es kein konkretes Ziel. Ich wusste ja gar nicht, wie es mit den Kindern unterwegs klappen würde. Ob der Jüngste die Tour verkraften konnte. Und überhaupt: auch ich selbst war noch nie länger als ein paar Stunden mit dem Rad unterwegs gewesen, ein absolutes Greenhorn in Sachen Radwandern also. Gefragt war Flexibilität - wir ließen offen, wie lang wir unterwegs sein wollten. Festgelegt wurden nur zwei Übernachtungen im Hasetal, danach ging´s in mein Heimatdorf, wo wir bei meinen Eltern wohnten. Von dort aus hätten wir weiterradeln können, Übernachtungsmöglichkeiten lassen sich auch kurzfristig finden. Also ließen wir den weiteren Verlauf zunächst offen. Gut so, denn nach fünf Tagen war es wirklich erstmal genug und wir strampelten zum nächsten Bahnhof und fuhren - ganz selbstverständlich - mit dem Zug zurück nach Osnabrück. Hinter uns liegen fünf wunder-volle Tage mit vielen, intensiven Erfahrungen - und ganz sicher werden wir weiterradeln auf diesem Weg. Irgendwann.
Alle Berichte zu unserer "Tour auf alten Wegen" findet ihr hier:
Bis bald!
diefahrradfrau