world wide wheeling: Südindien

Montag, 16. März 2015

die Idee: eine (virtuelle) Fahrradtour um die Welt
die Teilnehmer: alle Blogger, die gern dabeisein wollen
das Gepäck: Erfahrungen & Eindrücke rund ums Rad von überallher
die Route: immer offen, bestimmen die Teilnehmer
der Zeitplan: seit Dezember 2012 - solange es uns gefällt
die bisherigen 30 Etappen und 3 Specials könnt ihr hier finden

"world wide wheeling" - Traude nimmt uns mit nach Südindien:


Servus, ihr Lieben!
Wer schon einmal in Indien gewesen ist, weiß dass dort – selbst wenn die Motorisierung allmählich zunimmt  - unmotorisierte Zweiräder noch immer zu den ganz, ganz wichtigen Fortbewegungsmitteln zählen. 



Sie bringen Kinder zur Schule, Erwachsene zur Arbeit oder zum Einkaufen ins nächste Dorf, sie dienen dem Transport von Obst, Gemüse, Tierfutter und anderen Gütern, und häufig fährt nicht nur einer auf dem Radel, sondern es sitzen zwei oder drei auf der Stange, dem Gepäckträger und dem Sitz (der oft schon etwas „abgesessen“ aussieht).



Fahrräder, die bei uns nur noch verschrottet würden, werden in Indien noch verkauft, denn ein Rad, das mehr oder weniger fahrtauglich ist, zählt hier zu den wichtigen Besitztümern. Was jedoch nicht bedeutet, dass man es deswegen besonders pflegen (oder vor Regen schützen) würde. Indien ist kein Land der Pfleger und Heger, sondern ein Land der Improvisierer und der Trotz-allem-Langzeit-Verwender.




Manchmal allerdings sieht man ein Rad herumlehnen, das nicht mehr benützbar ist: der Rahmen verzogen, die Reifen traurig-verzerrte Achter. Solche Nicht-Fahr-Räder finden sich zumeist in der Nähe von Polizeistationen, und wir haben uns sagen lassen, dass sie zumeist nach Unfällen konfisziert wurden. Sie bleiben in der Folge so lange stehen, bis der betreffende Fall entweder fertig bearbeitet wurde oder der Besitzer sie wieder abholen kann (was manchmal jahrelang dauert oder überhaupt nicht passiert. Also bleiben sie einfach liegen oder stehen ;o)) ... 


Die Aufnahmen entstanden während unserer Südindien-Reise im Jahr 2013, und die Fotos wurden von Herrn und Frau Rostrose aufgenommen, einige hat uns auch unsere Freundin und Reisegefährtin Monika S. zur Verfügung gestellt. 




Mehr über diese faszinierende Reise könnt ihr in meinem Reisebericht lesen.
Und einen Reisebericht zu unserer ebenfalls sehr interessanten und schönen ersten Indienreise – Rajasthan, Agra, Delhi  im Jahr 2010 – findet ihr hier.

Ganz herzliche rostrosige Grüße,  Traude


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Ein ganz herzliches Dankeschön an Traude für den schönen Bericht und die wundervollen Bilder. Das war übrigens schon ihr zweiter Beitrag zu unserer virtuellen Fahrradweltreise - erinnert ihr euch an Traudes Radtour durch San Francisco? Herrlich ...

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An dieser Stelle wie immer mein Aufruf: Wenn ihr Fahrradmäßiges von irgendwoher zu zeigen oder zu erzählen habt, seid ihr ganz herzlich eingeladen, bei world wide wheeling mitzumachen. Zeigt in einem Gastbeitrag, was ihr zum Fahrradthema irgendwo auf dieser Welt gesehen und erlebt habt! Viele Fahrräder oder einzelne Szenen - ganz egal! Ich freue mich über Radelgeschichten aus aller Welt. Meldet euch einfach per Mail: diefahrradfrau@gmail.com

Noch Fragen? Alle Infos gibt es hier!


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Bis bald.
diefahrradfrau

Upcycling der Woche: Glücksscherben

Mittwoch, 11. März 2015

Wissenschaftlich erwiesen ist sie ja nicht, die Sache mit den Scherben und dem Glück. Und meistens ist man ja alles andere als glücklich, wenn´s Scherben gibt. Wenn beispielsweise ein Fußball (!) ganz elegant durchs Wohnzimmer (!) fliegt und infolgedessen die wunderschöne Vase aus den 60ern vom Regal purzelt, dann macht das kein bisschen glücklich. Das könnt ihr mir glauben.
Vielleicht klingt das jetzt ein bisschen bekloppt, aber ich hab die Scherben erstmal aufgehoben. Das Muster gefällt mir so gut, dass ich einfach gern was draus machen wollte. Und wenn´s doch stimmt, dass Scherben Glück bringen, dann trag ich jetzt das Glück am Hals ...



Als Glücksscherbe hab ich mir eine ausgesucht, 
auf der das Muster heil geblieben ist.
Die Bruchkanten sind nun fahrradschlauchumwickelt ...



 ... dazu gibt´s eine Öse aus Kupferdraht - fertig.



Und ja: ich hab noch mehr Scherben ...



Mal sehen, was mir dafür noch einfällt.

*

So, dann gibt´s noch das Ergebnis meiner Verlosung:
die Fahrrad-Tasche geht an Biggi - ganz herzlichen Glückwunsch!

Bis bald!
diefahrradfrau

unterwegs in Hamburg - Pedalpilot Doppel-Zwo

Montag, 9. März 2015

Habt ihr euch schon mal Gedanken über den Alltag eines Fahrradkuriers gemacht? Ihr wisst schon, ich meine diese Typen mit den werbebedruckten Rucksäcken, die auf ihren Rennrädern meistens schneller vorbeigflitzt sind als man gucken oder gar den Werbeaufdruck lesen kann. - "Aha, irgendein Kurierdienst, irgendwas Eiliges, nicht für mich ..." - Oder doch?

Ich gebe zu, dass ich kaum mehr als ein vages Bild von tief über den Lenker gebeugten und rucksackbepackten Rennradfahrern im Kopf hatte, als ich mich kürzlich für ein paar Tage unter die Fahrradkuriere gemischt habe. Echt jetzt! Ich war unterwegs mit den Jungs und Mädels der Hamburger Kurierszene, habe Dokumente und anderen Kleinkram von A nach B oder C befördert, von morgens bis abends in die Pedale getreten und mir zwischendurch am Rathausmarkt die Beine in den Bauch gestanden, bis der Funker den nächsten Auftrag durchgab, um dann wieder loszudüsen und mich bei eisigem Wind durch das mir unbekannte Hamburger Straßennetz zu wurschteln. - Mannomann, was hab ich mir da nur eingebrockt?!


Okay, immerhin war ich nicht allein zwischen Landungsbrücken und Binnenalster, sondern hatte einen "echten" Radkurier an der Seite - den Pedalpiloten Doppel-Zwo. Außerdem verbrachte ich mein Fahrradkurier-Praktikum ganz gemütlich auf dem Sofa - und der besagte Pedalpilot ist auch nicht wirklich auf Hamburgs Radwegen, sondern im gleichnamigen Roman unterwegs. Schnell, direkt und echt. 


So echt, dass ich mit jeder Buchseite weiter hineingeradelt bin in eine Welt, in der Gemütlichkeit sich auf einen kurzen Schnack nach anstrengendem Kurieralltag beschränkt, der nie enden wollende Verschleiß zur Reduzierung auf das Notwendige zwingt und romantische Vorstellungen von der großen Fahrradfreiheit schnell auf der Strecke bleiben:

"Um fünf nach neun stand er an der Binnenalster und wartete auf einen neuen Auftrag. Er hatte einen Umsatz von 23 Euro und 75 Cent in der Tasche. Wenn es um Zahlen ging, war er exakt. In seinem Kopf klackerte permanent eine Zähluhr, die Monats- und Tagesumsatz, den gegenwärtigen Stundenlohn und Gewinn anzeigte, Ausgaben aufaddierte und Alarm schlug, wenn er vom Haben ins Soll rutschte.
Kollege Zwo-Sieben, Jochen, ein diplomierter Architekt, für den sein Jahr als Kurier sein Lebenstraum war, den er ausschließlich bei Sonnenschein und Temperaturen über 15°C auslebte, sagte, dass der Kurierjob viele Vorteile hatte, Geld verdienen aber nicht dazu gehörte. Johannes gab ihm recht."


Pedalpilot Doppel-Zwo ist der Debütroman von Wolf Schmid,
der mit diesem Buch eine Liebeserklärung an den Kurierjob abliefert. 


Von 2005 bis 2006 war er selbst als Fahrradkurier für eine der ältesten Hamburger Kurierbuden unterwegs, danach noch ein paar Jahre in München. Und ich musste gar nicht lang betteln, um ein paar herrlich-banale Bilder aus dieser Zeit von ihm zu bekommen ...


Verschleiß, Warten-auf-den-nächsten-Job und Fahrstuhlbilder -
Kurieralltag eben.


Aber was schreib ich da eigentlich für eine Rezension, in der ich mit keinem Wort die Geschichte erwähne, die sich zwischen den rasanten Fahrten im leicht absurden Kurieralltag abspielt? Eine Vater-Sohn-Geschichte, die von Wolf Schmid ebenso schnörkellos und doch mit feinem Gespür erzählt wird, wie´s eben üblich ist unter Pedalpiloten.

"Er schaute die beiden Poster an der Wand gegenüber an. Banksy und Tom Waits waren ihm kein Begriff. Aber er fand, der Affe mit der Bombe und der alte Mann ähnelten einander."

Wahrscheinlich sollte ich darüber auch noch was erzählen, aber ich lass das mal sein. Weil mich das Buch allein schon dadurch begeistert, dass ich die Kurierszene kennen- und auch ein bisschen liebengelernt habe. Weil´s einfach so war, als wär ich wirklich dort gewesen und hätte mir Blasen an die Füße gefahren. Und weil mir die damit verbundenen Schmerzen zum Glück erspart geblieben sind.
Unbedingt erwähnen will ich aber noch das wunderbar fahrradmäßige Cover, die Hamburg-Map im Umschlaginnern und das literarische Glossar - für mich ein Highlight, wie die Kuriere selbst "ihr Hamburg" beschreiben.



Um euch nochmal richtig neugierig zu machen, hier noch ein Schmankerl, grad entdeckt:
der Buchtrailer zu Pedalpilot Doppel-Zwo



"Pedalpilot Doppel-Zwo" von Wolf Schmid (273 Seiten + literarisches Glossar, 14,95 Euro) ist erschienen im Liesmich Verlag Leipzig und kann hier bestellt werden.
Sehr cool: im Stadtgebiet von Leipzig erfolgt die Lieferung per Fahrradkurier. Passt.

Bis bald!
diefahrradfrau
Vielen Dank an den Liesmich Verlag für das Rezensionsexemplar und an Wolf Schmid für die Kurierbilder!