Herbst, Interview und Gewinnerin

Sonntag, 12. Oktober 2014

Heute gibt´s ein Dreierlei:
den Herbst in Bildern von unterwegs - diesmal mit Blick auf Buntblätter tragende und nun langsam kahl werdende Äste und Zweige ...








ein Interview bei Sonja von wert-voll - was ich dort erzählt habe, könnt ihr hier nachlesen.

und schließlich das Ergebnis meiner Mini-Verlosung:
den Upcycling-Schlüsselanhänger gewinnt Lotta

Bis bald!
diefahrradfrau
Geteilt mit Ghislanas Baumsammlung.

world wide wheeling: Schottland

Donnerstag, 9. Oktober 2014

die Idee: eine Fahrradtour um die Welt
die Teilnehmer: alle Blogger, die gern dabeisein wollen
das Gepäck: Erfahrungen & Eindrücke rund ums Rad von überallher
die Route: immer offen, bestimmen die Teilnehmer
der Zeitplan: seit Dezember 2012 - solange es uns gefällt
die bisherigen 29 Etappen und 3 Specials könnt ihr hier finden

"world wide wheeling" - Aileen erzählt, was sie in Schottland erlebt hat: 


Schon zum dritten Mal besuchte ich dieses Jahr das wunderschöne Schottland. Die weiten Landschaften, die hohen Highlands, die frische Luft und die grüne Landschaft haben es mir besonders angetan, so dass ich mir keinen schöneren Ort vorstellen könnte! 


Wenn wir in Schottland sind, dann steht das Wandern ganz oben auf unserer Urlaubs - Liste und es ist ja wohl ganz klar, dass man hier wunderschöne Wanderungen unternehmen kann. Doch dieses Jahr wollte ich mal etwas Neues versuchen und die Landschaft auch mal auf dem Rad erkunden ... nun ja, das gestaltete sich aber wirklich sehr, sehr schwierig.

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Dieses Jahr mieteten wir uns zum ersten Mal ein Haus in einer kleinern Stadt namens Blairgowrie. Ein süßes kleines Örtchen mit vielen feinen kleinen Fleckchen. Ich wollte mir ein Fahrrad mieten, um mal den Ort auf dem Rad zu erkunden, mir meine Kamera schnappen und einfach mal drauf los radeln. Wir hatten im Haus viele Info-Zeitschriften über das Städtchen und seine Umgebung - es gab Golf-Anlagen, niedliche Restaurants, sogar ein Schwimmbad, doch in den Prospekten fand ich keinen Shop, der Fahrräder verlieh. Nun ja, dann mache ich mich eben erst mal zu Fuß auf die Suche nach einem Fahrradverleih.


Ein paar Minuten irrte ich so durch die Gegend und fand weit und breit keinen Fahrradverleih. Um ehrlich zu sein, fand ich überhaupt nichts, das nur annähernd mit einem Fahrrad zu tun hatte. Da ich mir dieses Jahr vorgenommen hatte, auch mal etwas englisch zu sprechen, fasste ich mir ein Herz und sprach ein paar der Einheimischen an, sowohl junge als auch alte Schotten schauten mich jedes Mal verdutzt an, wenn ich von einem Fahrradverleih sprach. Zunächst nahm ich an, dass man mich einfach nicht verstand, weil ich auch nicht wusste, was Fahrradverleih auf englisch bedeutet, versuchte ich das Wort zu umschreiben - ohne Erfolg! Nach einer gefühlten Ewigkeit traf ich eine junge Frau, die für ein halbes Jahr in Deutschland war, und sie konnte mir dann (sogar auf deutsch!) erklären, dass es hier so etwas wie einen Fahrradverleih nicht gab und sie sich auch nicht erinnern kann, so etwas jemals in der Umgebung gesehen zu haben. Das war ein kleiner Schock für mich, wollte ich doch so gerne einmal Schottland mit dem Rad erkunden.



Ein paar Tage später besuchten wir das schöne Edinburgh. Hier sah ich zum ersten Mal Schotten auf Fahrrädern. Hauptsächlich viele junge Menschen auf ihren Rädern, die wenig spektakulär aussahen, eher alt und verrostet, so als ob man diese Räder schon 1950 benutzt hätte :D Aber auch hier fand ich weit und breit keinen Fahrradverleih, geschweige denn ein Fahrradgeschäft.

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In einem kleinen süßen Cafè unterhielt ich mich dann mit meiner Familie über dieses Thema und wir stellten uns die Frage, ob das Radfahren hier einfach nicht zum Alltag, zur Kultur dazu gehört. Ein älteres schottisches Pärchen fragte uns schließlich, ob wir hier Urlaub machen würden und wie uns Schottland denn gefallen würde. Wir unterhielten uns wirklich eine ganze Weile mit diesem super netten schottischen Pärchen. Ihr müsst wissen, die Schotten sind ein unheimlich hilfsbereites, freundliches und neugieriges Völkchen und deshalb wird man an jeder Ecke angequatscht, was aber einfach wirklich schön ist! So kamen wir auch auf das Thema Radfahren zu sprechen (die ganze Zeit hatte ich versucht, das Gespräch auf dieses Thema zu lenken, aber das gestaltete sich zunächst echt schwer). 


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Der ältere Herr verriet uns, dass das Radfahren nur in Städten sehr beliebt sei. Da diese oft überlaufen seien und voller Autos, benutzten vor allem die jungen Leute die Räder, um schneller von A nach B zu kommen. Das war eine Erkenntnis die ich wirklich mehr als logisch fand, denn in unseren Großstädten ist dies ja auch nicht anders :)
Doch außerhalb der großen Städte sind meist nur Rennradfahrer unterwegs. Und je länger ich über diese Tatsache nachdachte, desto klarer wurde mir das. Denn in Schottland liegen die Städte wirklich mehrere Kilometer auseinander und mit mehreren Kilometern meine ich so ab 20 km! Das ist also das erste Problem - die Länge der Strecken ist für viele einfach nicht zu bewältigen. 



Das zweite Problem, gerade in den Highlands, sind - wer hätte es anders vermutet? -  die Highlands.  Auch hier ist das Problem, dass man die hohen Berge ohne Training nicht bewältigt bekommt. Die Landschaft lässt das Rad fahren einfach nicht zu! Eine traurige Nachricht, irgendwie! Wollte ich doch so gerne einmal etwas anderes hier ausprobieren und beim Rad fahren meine Gedanken schweifen lassen. Gut, dann schnappe ich mir eben die Wanderschuhe ....

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Einen ganz lieben Dank an Aileen für den schönen Bericht! Wenn´s auch mit dem Radfahren nicht geklappt hat - durch die Highlands zu radeln, würd ich mir wohl eher auch nicht zutrauen.
Auf Aileens Blog findet ihr übrigens weitere Schottland-Berichte, unter anderem einen Travel-Guide und eine Türensammlung.


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Ihr wart auch unterwegs und habt etwas rund ums Radeln zu erzählen? - Super! Macht mit bei world wide wheeling und zeigt in einem Gastbeitrag, was ihr zum Fahrradthema irgendwo auf dieser Welt gesehen und erlebt habt! Viele Fahrräder oder einzelne Szenen - ganz egal! Ich freue mich über Radelgeschichten aus aller Welt. Meldet euch einfach per Mail: diefahrradfrau@gmail.com

Noch Fragen? Alle Infos gibt es hier!

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Bis bald.
diefahrradfrau

Stadt-Land-Rad: Berlin by Bike

Mittwoch, 8. Oktober 2014

...und weiter mit dem Rad auf Bowies Spuren

Heute gibt´s gleich zwei Gastbeiträge - und zufällig beide aus Berlin. Viel zu lesen, viel zu gucken. Darum nicht so viel Gequatsche von mir, sondern gleich zur Sache - Berlin im Doppelpack:

Zunächst zeigt Anne-Marie in der Reihe Stadt-Land-Rad, mit welchen Tücken Radfahrer in Berlin rechnen müssen ...


BERLIN BY BIKE

Radfahren in Berlin kann schon eine Herausforderung sein.

Erstens muss einem das Fahrrad erhalten bleiben, was nicht immer einfach ist. Diebstahl und mutwillige Zerstörung sind die hinderlichen Vorkommnisse, die es zu vermeiden gilt. Seit mein nigelnagelneues Fahrrad, das ich mir vor einigen Jahren gönnte, nur ca. 2 Wochen lang in meinem stolzen Besitz verweilte, habe ich nur noch Fahrgefährte, die sowohl 2 Räder als auch 2 Hände haben... Second Hand nennt sich das im Volksmund ... LOL

Mein als Fidel-Marcel getauftes, pinkes Mädchenfahrrad war das erste verfügbare Exemplar in meiner Größe beim Second-Händler meines Vertrauens. Die Gangschaltung ließ zu wünschen übrig, der Fahrradkorb war schon kurz vorm Durchrosten und das gute Teil fühlte sich an, als wäre es mit Blei versetzt. Wäre jetzt nicht meine erste Wahl gewesen, aber ich war jung und brauchte ein Fahrrad... Einen Vorteil hat das aparte Teilchen zudem: Keiner klaut es! Also, Hürde 1 überwunden...

Hürde 2 sind die Berliner Verkehrsbedingungen, die starke Nerven erfordern.
Fahrradwege sind häufig zugeparkt, fehlen gänzlich oder führen an Bushaltestellen vorbei. Letzteres ist ein Spießrutenlauf, wenn der Bus leider genau das gleiche Tempo hat wie man selbst und man somit alle paar Minuten Slalom auf dem Radweg fahren darf oder sogar komplett zum Stillstand kommt. Nimmt man Nebenstraßen, in der Hoffnung, diese Probleme zu umgehen, dann gibt es andere Herausforderungen. Nebenstraßen haben oft den Nachteil mit Kopfsteinen gepflastert zu sein, wovon ich meist nach 2 Sekunden schon eine (gefühlte) Gehirnerschütterung bekomme. In den östlichen Stadtteilen muss man sogar aufpassen, dass man nicht in den Straßenbahnschienen hängen bleibt.



Hat man dann eine Straße, auf der man gut fahren kann, dann sind wiederum rücksichtslose Autofahrer an der Tagesordnung. Abstand halten? WAS ist DAS? Gucken, ob ein Fahrrad gerade vorbeifährt, während man die Autotür aufmacht? Niemals! Aber auch andere Fahrradfahrer können einem ganz schön auf den Keks gehen. Stellen Sie sich an einer roten Ampel in Berlin immer so weit wie möglich rechts zum Straßenrand hin (falls da nicht gerade ein Auto steht). Bleiben auch nur 2cm Platz zum Rechtsüberholen, dann wird dieser Platz garantiert von einem sogenannten Kampfradler mit Rot/Grün-Schwäche und/oder Missachtung der Ampelfarbe ausgenutzt. Herzkasper garantiert! Radwege werden zudem gerne von Geister(rad)fahrern genutzt, die das Gesicht nach unten gerichtet haben (Smartphone-Sucht), also hier auch: Augen auf und nicht auf das Recht beharren, auf der richtigen Seite zu sein, wenn man nicht bald am Boden liegen möchte.

Hürde 3: Ampeln. Es gibt davon viele. Und sie sind auf Autofahrer ausgerichtet. Eine grüne Welle für Radfahrer gibt es nicht, wird es auch nie geben. Und es steht garantiert eine ganze Gruppe Kindergartenkinder auf der gegenüberliegende Straßenseite, wenn Sie die Rotphase haben, so dass bei Rot herüberfahren, wenn gerade eh weit und breit kein Auto zu sehen ist, aus erzieherischen Gründen nicht in Frage kommt. Es sei denn, man hat keine Angst davor, von den Erzieherinnen gelyncht zu werden. Problemlösung: Vorausschauend fahren. Schnell, wenn die Grünphase in der Ferne noch anhält, langsam wenn die Rotphase noch weilt. Und sich nicht ärgern, wenn's nicht klappt, weil die Wahrscheinlichkeit, dass DAS klappt sowieso gen Null tendiert.

Hürde 4: Menschenmassen.
Berlin ist nun mal eine Großstadt. Wenn man seine Ruhe haben will, muss man aufs Land herausfahren oder ein paar Stellen kennen, wo man gut radfahren kann. Ich werde mich schwer hüten, alle meine Geheimtipps auszuplaudern, aber eine Stelle verrate ich euch gerne: Es ist das Flughafengelände. Nicht IRGENDein Flughafengelände, sondern das neue Fahrradfahrerparadies am Tempelhofer Feld. Um hierher zu finden, überwindet man gerne alle 4 eben genannte Hürden und wäre sogar bereit, noch weitere auf sich zu nehmen!



Vrrrrrrrrrooooooooooooaaaaaaaaaaam... Wo man früher an den Startbahnen gestanden hat, um zuzuschauen wie die Flugzeuge aufsteigen, kann man nun auf der anderen Seite des Zauns am ehemaligen Flughafen Tempelhof immer noch Fluggeräusche hören. Sie sind aber leiser geworden, denn statt Flugzeugen sind es Drachen, die in der Luft weit oben surren, Rollschuhe, Skateboards oder eine Mischung aus alledem, mit vom Wind erzeugten Schallwellen... Keine Ahnung, wie die Teile heißen, die wie Fallschirme mit Rädern drunter aussehen. Sie sind wohl gerade der absolute Renner auf dem Flughafengelände und schwirren wie rollende Engel in Bodennähe umher.

Das Tempelhofer Feld ist meine neue Oase in Berlin. Es ist riesig. Es ist grün. Es ist weitsichtig. Innerhalb einer Großstadt so eine Sicht wie im Umland zu haben, ist einfach traumhaft. Die Autos hört man nur ansatzweise. Eher schallen Kinderstimmen übers Feld oder man hört den Traktor, der die Wiesen mäht, das Gras zu Heuballen bündelt und zu riesigen Trockengrasmauern auftürmt. Ich liebe es, bei schönem Wetter auf einem dieser Heuballen zu liegen und mich mitten in der deutschen Hauptstadt wie auf einer einsamen Insel zu fühlen.



Das Tempelhofer Feld ist zwar kein wirklicher Geheimtipp mehr. An schönen Tagen sind hier sehr viele Leute unterwegs, aber aufgrund der Weitläufigkeit des Felds verteilen sich die Menschenmassen sehr gut. Die Fußgänger türmen sich an Sommertagen auch nur an den Eingängen, wo sich die ausgewiesenen Grillplätze und Hundeauslaufgebiete befinden. Mit dem Fahrrad kommt man dagegen zu den ruhigeren Stellen, an denen man sich wunderbar entspannen, den Turmfalken beim Jagen zusehen und die Haare im Wind wehen lassen kann. Mit einem erholten und friedfertigen Gefühl, so dass man wieder gewappnet ist für die gnadenlosen Ampelschaltungen und die gewohnte Kampfumgebung im Berliner Straßenverkehr, kehrt man dann wieder zum Alltag in der Großstadt zurück.
Anne-Marie


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Ganz lieben Dank an Anne-Marie für diesen Beitrag, der humorvoll- kritische Blick auf ´s Radfahren in Berlin gefällt mir richtig gut! 
Und ist eine tolle Ergänzung zu der Serie, in der uns Indre seit letzter Woche mitnimmt auf eine besondere Tour - auch per Fahrrad und auch in Berlin. Aber aus einem ganz anderen Blickwinkel: Nachdem Indre entdeckt hatte, dass David Bowie vor rund 37 Jahren fast täglich dort mit dem Rad unterwegs war, wo sie nun selbst zur Arbeit radelt, begann sie zu recherchieren. Ich finde es beeindruckend und total spannend, wie sie die Tour de Berlin zu einer Tour de Temps macht ...


Letze Woche gab es hier den ersten Teil auf Bowies Spuren, heute geht es bei Indre um einen Vergnügungstempel, der zur Wohnmaschine wurde.
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Habt ihr auch Lust, eure Radelheimat hier bei Stadt-Land-Rad vorzustellen? Eure Lieblingsstrecke, Ausflugsziele oder den täglichen Weg zum Job oder was auch immer - zeigt uns, wo ihr so rumradelt! Und vielleicht finden sich ja noch mehr Berlin-Blogger, die mitmachen möchten. Ich find's nämlich superinteressant, die gleichen Radwege mit ganz unterschiedlichen Ansätzen vorzustellen. 
Alle Infos zu dieser Mitmachsache findet ihr hier


eine Mitmachsache für alle, die gern Rad fahren


Wenn ihr dabeisein wollt, schickt mir einfach ne Mail: diefahrradfrau@gmail.com


Bis bald!
diefahrradfrau